Endlich ein Wolf im Märchenwald
Auch Hessen hat nun seinen ersten, frei lebenden Wolf
13. Mai 2008: Herzlichen Glückwunsch und willkommen Wolf! Zum ersten Mal seit 150 Jahren lebt wieder ein Wolf in Hessen. Er streift wohl schon seit ein paar Monaten durch den Reinhardswald nördlich von Kassel. Wahrscheinlich ist er von Norden oder Osten her eingewandert. Ein Jäger konnte das Tier jetzt erstmals fotografieren. Der NABU erwartet vom Land Hessen eine aktive Begleitung des Wolfes und ein gutes Wildtiermanagement.


Wilde Wölfe sind äußerst scheu und nur selten kann man sie zu Gesicht bekommen.

Herzlichen Glückwunsch und willkommen Wolf! Zum ersten Mal seit 150 Jahren lebt wieder ein Wolf in Hessen. Er streift wohl schon seit ein paar Monaten durch den Reinhardswald nördlich von Kassel. Wahrscheinlich ist er über benachbarte Region von Norden oder Osten her eingewandert. Von einem Jäger konnte das Tier jetzt fotografiert und die vermeintlichen Sichtungen bestätigt werden. Seitdem bildet sich ein Medienrummel um den Wolf aus dem Reinhardswald. Der hessische Rundfunk sucht öffentlich nach einen Namen für ihn und „Lupus“ oder „Reinhard“ werden beim Publikum bereits heiß gehandelt. Der NABU erwartet vom Land Hessen eine aktive Begleitung des Wolfes: Wichtig ist die Schulung einzelner Wolfexperten und eine finanzielle Hilfe für Schäfer, falls von diesem Wolf Schafe gerissen werden sollten.


Erst seit den 1990er Jahren kehren wild lebende Wölfe nach Deutschland zurück.

Der wilde Wolf ist keine Gefahr für Menschen
In einem Interview mit dem hessischen Rundfunk berichtet der Jäger Jochen Dörbecker, wie er den Wolf bei einer Pirsch am frühen Morgen entdeckt hat und glücklicherweise auch direkt zur Fotokamera greifen konnte. Bei vollem Licht gelang ihm ein gutes Foto von dem Wolf, bevor dieser wieder im Gebüsch verschwand. Auf dem Bild sind deutlich die schräg stehenden Augen zu erkennen, die beweisen, dass es sich tatsächlich um einen Wolf und nicht um einen verwilderten Hund handelt. Vermutlich ist es ein noch recht junges Tier. Auch habe er ganz typisch für einen wild lebenden Wolf reagiert und sei sofort davon gelaufen, als er Dörbecker bemerkt hat. Ein in Gefangenschaft aufgezogenes Tier hätte diese Scheu vor dem Menschen nicht. Dadurch stellt der Wolf aus dem Reinhardswald keine Gefahr für den Menschen dar. Wild lebende Wölfe sind extrem scheu und vorsichtig und weichen dem Menschen aus. Als einzelner Wolf ernährt er sich hauptsächlich von kleineren Nagetieren oder überfahrenem Wild. Nur Rudel können größere Tiere wie Rothirsch oder Wildschweine jagen. Für Schafe sieht es anders aus. Denn sie gehören zu den „einfachen“ Beutetieren für Wölfe. Deshalb ist jetzt ein gutes Wolfsmanagement mit Informationen und Koordinatoren wichtig. Sonst wird der Wolf schnell zum „Problem-Wolf“ und die Freude über die kleine Sensation wäre schnell vorbei.


Wilde Wölfe sind scheu und es ist eher eine Sensation, sie in freier Wildbahn zu sehen.

Doch zum Glück stehen Wölfe in Deutschland unter der höchsten Kategorie im Artenschutz und die Jagd auf sie ist streng verboten. Denn in West- und Mitteleuropa waren Wölfe im 18. und 19. Jahrhundert beinah ausgerottet worden. Erst wieder seit den 1990er Jahren wandern Wölfe vermehrt ein. Von Polen kommend, wo sich seit etwa der 1970er Jahre die Populationen stabilisieren konnten, besiedeln sie einige besonders „wolfsfreundliche“ Regionen wie die Lausitz sogar im Rudel. Deutschlandweit jedoch haben sie es noch schwer. 2007 wurden in Bayern und Schleswig-Holstein zwei Wölfe überfahren, in Niedersachsen ein Wolf von Jägern getötet.

Vorerst überwiegt jedoch die Freude. Denn ein Wolf fehlte noch in Deutschlands „Märchenwald“. Der wilde und geheimnisvolle Reinhardswald inspirierte auch die Gebrüder Grimm, die 30 Jahre lang in Kassel lebten. Hessens größter zusammenhängender Wald mit seinen uralten Bäumen, tiefen Tälern und wilden Wasserläufen bot ihnen Stoff für viele Märchen und dem Wolf einen abwechslungsreichen Lebensraum. Bleibt zu hoffen, dass es diesem Wolf viel besser ergehen wird als seinen Märchenkollegen.


Wolf im Märchenwald heißt Reinhard
Auch "Reinhard, der Reinherzige" ist wild und reißt Beute um sich zu ernähren

Der NABU freut sich über das große Interesse und die Anteilnahme der Öffentlichkeit über die Rückkehr des Wolfes in Hessen. Nach einer Umfrage des Hessischen Rundfunks haben die Wolfsfreunde nun einen Namen gewählt: Der wilde Vierbeiner in Hessen soll jetzt Reinhard heißen. Das bedeutet "der Reinherzige". So streift jetzt also der reinherzige Reinhard durch den Reinhardswald. So harmlos der Wolf jetzt auch klingt, darf natürlich nicht vergessen werden, dass es sich immer noch um ein wildes Tier handelt, dass um zu überleben Beute reißt. Der Name mit verschönendem Attribut darf nicht zu Missverständnissen führen.

Es ist sehr wichtig, dass offen und ausführlich über den Wiederkehrer in den Reinhardswald berichtet und gesprochen wird. Der Wolf ist so wenig ein mystisches Überwesen wie er eine Bestie ist. Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland ist ein Schritt der Natur hin zur Normalität, hin zu ihrem ursprünglichen Zustand. Der Wolf ist ein Wildtier, das regelmäßig Beutetiere zu erlegen hat um sich zu ernähren. Bis auf wenige Ausnahmen sind dies Rehe, Wildschweine und Hirsche. Werden Schafe nicht geschützt, kann sich der Wolf auch an ihnen vergreifen. Kein Verhalten, dass ein betroffener Tierhalter mit „reinherzig“ umschreiben wird.

Im neuen Wolfsgebiet in Hessen sind die in der Lausitz mit Erfolg eingesetzten Schutzmaßnahmen für Schafherden zu etablieren. Weiterhin ist die Schulung von Gutachtern notwenig, damit die äußerst schwere Unterscheidung von Hunde- und Wolfsrissen getroffen werden kann. Sind Hunde die Verursacher, steht der Halter in der Pflicht. Hat der Wolf das verschulden, sind Entschädigungsregelungen von öffentlicher Hand gefragt, wie das bei anderen streng geschützten Tierarten heute schon üblich ist.


Ich bedanke mich ganz herzlich bei Nabu (http://www.nabu.de)",
dafür, das ich diesen Artikel in meiner HP veröffentlichen durfte.